Benchmarking: Wie wir deine Produkte mit dem Durchschnitt vergleichen

Unsere Mission ist CO2-Transparenz für jedes Produkt zu schaffen, damit sowohl Konsument:innen, als auch Marken und Retailer besser informierte Entscheidungen treffen können. Die Challenge dabei: CO2 Emissionen sind für die allermeisten eine schwer zu greifende Einheit. Was bedeutet es, wenn ein T-Shirt einen CO2-Fußabdruck von 3,9 kg CO2e hat? Wir versuchen immer, passende Vergleichswerte zu finden, wie zum Beispiel in Form von gefahrenen Autokilometern oder Tassen schwarzem Kaffee. Nun haben wir ein neues Tool entwickelt, was eine noch bessere Vergleichbarkeit ermöglicht:


Say Hello to our new Benchmarking Tool by Yook!


Mit diesem neuen Tool vergleichen wir ab sofort nicht mehr Äpfel und Birnen, bzw. T-Shirts und Autokilometer. Stattdessen stellen wir ein Produkt dem Industriestandard bzw. -durchschnitt gegenüber. Das heißt also: konventioneller Apfel aus Italien vs. deutscher Bio-Apfel. Oder eben: nachhaltigeres T-Shirt aus Bio-Baumwolle und fairer Produktion in Portugal vs. durchschnitts-T-Shirt aus konventioneller Baumwolle und Produktion in Bangladesch. Das Benchmarking ermöglicht es auch nachhaltigen Brands, ihre Nachhaltigkeitsversprechen mit messbaren, vergleichbaren Daten zu belegen.


Auch hier gilt wie immer: Transparency-Mode full on! Daher erläutern wir in diesem Artikel:

  • Wie das Benchmarking Tool aussieht und wie es Transparenz bezüglich CO2-Emissionen schafft

  • Deep-Dive Methodik: Wie wir das Benchmarking und die Vergleichswerte berechnen

  • Mit welchen Challenges wir uns konfrontiert sehen und wie wir mit ihnen umgehen


Im Bild ist das Benchmarking Tool in Action abgebildet. Während die Sonnenbrille insgesamt einen Fußabdruck von 2,81 kg CO2e hat, verursacht das Standardprodukt 5,38 kg CO2e. Die Einsparungen werden über die vier Bereiche Materialien, Produktion, Transport und Versand erzielt und auf der linken Seite wird aufgeschlüsselt, welche Faktoren für den niedrigeren CO2-Fußabdruck verantwortlich sind.

Eine nachhaltige Sporthose aus recyceltem PET und Bio-Baumwolle hat beispielsweise einen niedrigeren Material-Fußabdruck als eine Sporthose aus konventionellem PET und Baumwolle. Außerdem verursacht die lokale Produktion innerhalb der EU durch einen günstigeren Energiemix im Produktionsland und optimierte Produktionsprozesse weniger Emissionen während der Herstellung im Vergleich zu einer Produktion in Asien. Durch die kürzeren Transportwege innerhalb der EU werden auch beim Transport Emissionen eingespart, vor allem, wenn zusätzlich nachhaltigeres Verpackungsmaterial verwendet wird. Beim Versand auf der letzten Meile bis zu den Endkund:innen mit Elektrofahrzeugen können ebenfalls CO2e-Emissionen eingespart werden.

So wird auf nur einen Blick deutlich, wie und warum sich eine Hose aus nachhaltigeren Materialien besser gegenüber dem Standardprodukt schlägt. Aber wie berechnen wir das Ganze überhaupt?


So funktionierts:


Step 1:

Im ersten Schritt wird der CO2-Fußabdruck des Produkts (PCF) berechnet, basierend auf den Kategorien Material, Produktion, Transport + Verpackung und Versand. Wie genau wir das machen erfahrt ihr in diesem Blogartikel.


Step 2: Das Vergleichsprodukt

Um den CO2-Fußabdruck besser zu verstehen und einzuordnen, vergleichen wir diesen nun mit dem CO2-Fußabdruck eines Standardprodukts. Zur Definition und Berechnung dieses Vergleichsprodukts geht unsere Software schrittweise über die 4 Teile des PCFs (Material, Produktion, Transport + Verpackung und Versand) vor.


Zunächst werden die Materialien durch die nicht-nachhaltigen Alternativen ersetzt, welche gewöhnlicherweise (basierend auf Markt- und Industriedaten) verwendet werden. Ein Beispiel: ein T-Shirt aus 95% Bio-Baumwolle und 5% Elasthan aus recyceltem Kunststoff vergleichen wir mit einem T-Shirt aus 95% Baumwolle aus konventionellem Anbau aus China und 5% Elasthan aus erdölbasiertem Kunststoff. Dabei behalten wir die prozentuale Materialverteilung bei und verändern diese nicht.


Beim Produktionsteil ist vor allem ausschlaggebend, in welchem Land das Produkt produziert wird und welcher Energiemix dort vorherrscht. Hier definieren wir pro Kategorie ein Standard-Produktionsland anhand von Marktdaten und vergleichen den Energiemix des aktuellen und Standardlandes miteinander. Zum Beispiel haben wir für Sporttextilien China als Standard-Produktionsland definiert.


Genauso gehen wir auch beim Transport-Fußabdruck vor: Wir sehen uns an, mit welchem Transportmittel Produkte aus der betreffenden Produktkategorie am häufigsten transportiert werden und kalkulieren die durchschnittliche Distanz zwischen dem Benchmark-Produktionsland und dem Warenhaus in Deutschland.


Beim Versand rechnen wir mit der durchschnittlichen Distanz, die Päckchen zurücklegen, wenn das Warenhaus in der Mitte von Deutschland liegt und deutschlandweit versandt werden. Dabei gehen wir einem durchschnittlichen Lieferfahrzeug und der durchschnittlichen Retourenquote der Produktkategorie aus.


Somit können wir Step-by-Step die 4 Kategorien des PCFs vergleichen und gegenüberstellen. Das hilft sowohl Marken als auch Shopper:innen, den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte oder ihres Einkaufs besser zu verstehen und einzuordnen. Das ist ein super Start, wir wissen aber auch, dass es noch Weiterentwicklungspotenzial und Challenges gibt, weshalb wir das Tool kontinuierlich weiterentwickeln.


Challenges


1. Definition des Standardprodukts


Wie oben beschrieben definieren wir das Standardprodukt nicht als fixes Produkt, sondern vergleichen Materialien, Produktion und Transport Schritt für Schritt. Hierbei besteht die Herausforderung darin, den Materialstandard zu finden, die für das jeweilige Produkt spezifisch sind. Wir verwenden einen allgemeinen Austauschmechanismus und keine Einzelfallbetrachtung. Außerdem verwenden wir die gleiche prozentuale Materialverteilung und passen diese nicht je nach Produkttyp an. Wenn ein T-Shirt beispielsweise einen Materialanteil von 60% recyceltem PET und 40% Bio-Baumwolle hat, benchmarken wir gegen ein T-Shirt mit 60% PET und 40% konventioneller Baumwolle, obwohl üblicherweise ein durchschnittliches T-Shirt aus 95% Baumwolle und 5% Elasthan besteht.

Wir entwickeln das Tool allerdings kontinuierlich weiter und prüfen sorgfältig, ob auch andere Definitionen für Standardprodukte und deren Materialien in Frage kommen. Außerdem hoffen wir, dass in der Zukunft die “neue Normalität” immer besser, also immer nachhaltiger wird. Auch in diesem Fall werden wir das Benchmarking Tool adaptieren.


2. Trade-off zwischen CO2e-Emissionen und anderen Impact Kategorien


In Einzelfällen kann es sein, dass das nachhaltige Produkt einen höheren Teil-Fußabdruck aufweist als das Standardprodukt. Beispielsweise kann der Energieaufwand beim Recycling - und damit auch der CO2-Fußabdruck - höher sein, als bei der konventionellen Material-Alternative. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Produkt aus recycelten Materialien schlechter ist, als der Industriestandard, da in anderen Bereichen, wie im Ressourcen- oder Wasserverbrauch oder auch bei der Emission anderer Schadstoffe Einsparungen entstehen. Da wir uns auf CO2e-Emissionen fokussieren, kann das Benchmarking Tool diese (noch) nicht abbilden. Wir arbeiten hier an einer Lösung für die Zukunft und betonen für die Zwischenzeit die Wichtigkeit von sorgfältiger Kommunikation und Information.


3. Cradle-to-Gate Betrachtung


Nachhaltigkeit ist komplex und beschränkt sich nicht nur auf die Produktion- und Transportwege eines Produkts, sondern auch auf die Nutzungs- und End-of-Life-Phase. Diese beziehen wir aufgrund von Schätzungsunsicherheiten aktuell noch nicht in unsere Berechnungen mit ein. Wir sind uns allerdings bewusst, dass auch diese einen enormen Einfluss auf die Ökobilanz eines Produktes hat. Nehmen wir Elasthan als Beispiel: Konventionelles Elasthan aus erdölbasiertem Polyurethan ist nicht nur aufgrund von CO2-Emissionen sondern vor allem aufgrund von giftigen Chemikalien besonders klimaschädlich. Recyceltes Elasthan stellt hier eine Alternative dar, die auch mit einem niedrigeren Emissionsfaktor während der Produktion einhergeht, allerdings kann dieses nicht wieder recycelt werden, was sich in der End-of-Life Phase bemerkbar machen würde. Biologisch abbaubares Elasthan performt dagegen in der End-of-Life Phase deutlich besser, dies wird allerdings nicht abgebildet. Das Elasthan Beispiel verdeutlicht, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung ist und auch hier entwickeln wir unsere Software kontinuierlich weiter.


4. Transparenz


Transparenz steht für uns an oberster Stelle. Wir sind uns darüber bewusst, dass wir sorgfältig prüfen müssen, was mit den Daten geschieht und wie sie kommuniziert werden, damit das Tool nicht zur Irreführung genutzt wird. Wir wollen Shops und Marken helfen, sich und ihr Produktportfolio weiter zu verbessern, CO2-Hotspots und Verbesserungspotentiale zu erkennen, anzugehen und anschließend ehrlich über ihre Erfolge zu kommunizieren. Genauso wollen wir Online-Shopper:innen behilflich sein, besser informierte Entscheidungen zu treffen.


Hast du Ideen, Anregungen oder Verbesserungsvorschläge? Wie immer sind wir gespannt darauf, dein Feedback zu hören!