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E-Commerce vs. Stationärer Handel: Wo kauft man eigentlich klimafreundlicher?

Aktualisiert: Feb 12


Durch die Corona-Pandemie boomt der Onlinehandel stärker denn je. Branchenexperten erwarten für 2020 ein Umsatzplus von knapp 20% und prognostizieren weiterhin starkes Wachstum, während der stationäre Handel, nicht erst seit diesem Jahr, mit rückläufigen Einkaufsfrequenzen kämpft. Doch, wie wirkt sich dieser Trend eigentlich auf die Umwelt aus? Ist es klimafreundlicher online einzukaufen oder lieber doch im Laden?


Onlinehandel besser als sein Ruf


Onlinehändler müssen oft als Sündenböcke herhalten, wenn es um die Umwelt geht. Tatsächlich beweisen Studien allerdings, dass der Onlinehandel gegenüber dem konventionellen, stationären Shopping in Innenstädten oftmals klimafreundlicher ist – und das trotz steigender Retouren und Paketzahlen. Eine Studie des Deutschen Clean Tech Instituts zeigt beispielsweise, warum es klimafreundlicher sein kann, Schuhe online einzukaufen und schafft mit dem Vergleich der CO2-Bilanzen eine solide Berechnungsgrundlage.

Klima-Vorteil dank Effizienz

Zunächst ist die kompakte Lagerhaltung pro Produkt bei Onlineshops sparsamer als die Aufbewahrung im Laden. Heizkosten, Beleuchtung und die Inszenierung der Waren im Geschäft sind echte Energiefresser. Auf der Seite des Onlinehandels dagegen schlägt der Stromverbrauch der Computer und Server negativ zu Buche, wenn auch vergleichsweise gering.


Ein weiterer Klima-Vorteil des Onlinehandels ergibt sich durch effizient gepackte Lieferungen der Paketdienstleister, die eine Vielzahl von Kunden gebündelt beliefern können. Ein Paketversand verursacht lt. einer DHL-Studie in Deutschland durchschnittlich etwa 500 Gramm CO2, während eine nur sechs Kilometer lange Autofahrt alleine schon ca. 2.400 Gramm erzeugt.


Wenn jeder Kunde also individuell mit dem Auto in die Innenstadt fahren würde, sähe das für die Klimabilanz deutlich schlechter aus. Wie schlecht, kommt dabei natürlich stark auf das Transportmittel und den Wohnort des jeweiligen Kunden an. Bei der vorliegenden Studie wurde eine 20 km lange Fahrt in die Stadt als Berechnungsgrundlage genutzt.

Um dabei eine realitätsgetreue Berechnung abzubilden, wurden für den Onlinehandel mögliche Retouren eingerechnet. Retouren belasten die CO2-Bilanz von Onlineshops unnötig stark. Jährlich sind das immerhin über 300 Millionen Pakete, die vom Kunden zurückgeschickt werden. Interessant bleibt dennoch, dass der Onlinehandel bei der Klimabilanz trotzdem die Nase vorne hat.

Die Klimabilanz variiert von Fall zu Fall


Wichtig bleibt, solche Studien immer differenziert zu betrachten und die Ergebnisse nicht zu pauschalisieren. Wie hoch die CO2-Emissionen wirklich ausfallen, kann ganz allgemein einfach nicht beantwortet werden. Die Klimabilanz hängt letzten Endes zu stark vom Produkt, vom Wohnort und vom Kundenverhalten ab.


So können unnötige Retouren die Klima-Vorteile des Onlinehandels schnell zunichte machen. Die vorliegende Studie des Öko Instituts betrachtet außerdem lediglich ein paar Schuhe. Dabei kann die CO2-Bilanz von Produkt zu Produkt enorm variieren, sowohl im stationären Handel als auch im E-Commerce.

Würde man die Klimabilanzen eines Kühlschranks und die eines T-Shirts vergleichen, sähe das Resultat vermutlich anders aus, da kompakte Waren wie Textilien effektiver gepackt und versendet werden können. Auch im stationären Handel ergeben sich produktseitig Unterschiede: Elektronik-Geschäfte haben beispielsweise einen höheren Energieverbrauch als Bekleidungsgeschäfte.

Am Ende spielt auch der Wohnort der Kunden eine entscheidende Rolle: Speziell, wenn diese auf dem Land leben, ist ein gebündelter Transport über den Onlinehandel wahrscheinlich die klimafreundlichere Art einzukaufen.

Insgesamt besteht hier jedoch noch jede Menge Forschungsbedarf, um genauere Aussagen treffen zu können.



Onlinehandel als nachhaltiges Zukunftsmodell? So funktioniert’s!


Für unseren Planeten ist das Einkaufsverhalten der Kunden, aber auch das Verhalten von Onlinehändlern richtungsweisend. Zukünftig könnte klimafreundliches Online-Shopping z. B. so aussehen:


1. Vor dem Kauf

Der Kunde überlegt sich ganz genau, was er benötigt. Der Onlinehändler stellt ausreichende Produktinformationen zur Verfügung, um Fehlkäufe und somit Retouren zu vermeiden. Zudem stellt er spezifische CO2-Informationen zu jedem Produkt bereit, damit der Verbraucher eine umweltbewusste Entscheidung treffen kann und weiß, welchen Einfluss seine Bestellung auf die Umwelt hat.


2. Klimabeitrag

Der Onlinehändler bietet einen Klimabeitrag im Warenkorb an, mit dem die CO2-Emissionen beispielsweise durch Baumpflanzprojekte ausgeglichen werden können.


3. Grüner Versand

Der Kunde wählt einen grünen Versanddienstleister und entscheidet sich für eine Standardzustellung, damit der Transporter optimal ausgelastet wird. Die Lieferung geht direkt an einen Paketshop in der Nähe, wo eingehende Lieferungen gebündelt werden.

4. Nach dem Kauf

Der Kunde holt sein Paket zu Fuß beim Paketshop in der Nähe ab. Die Ware passt und muss nicht retourniert werden. Der Versandkarton oder -tasche wird wiederverwendet und einer Zweitnutzung zugeführt.

Fazit

Wie man heute am klimafreundlichsten einkauft, kann pauschal nicht so einfach beantwortet werden und variiert von Fall zu Fall. Hier besteht noch offener Forschungsbedarf. Festzuhalten ist aber, dass der Onlinehandel, wenn er effizient abgewickelt wird, tatsächlich klimafreundlicher ist als der Einkauf in der Innenstadt. Hoffnung machen hier zudem diverse Klimaschutz-Maßnahmen, die progressiv von immer mehr Onlinehändlern umgesetzt werden, z. B. umweltfreundliche Verpackungen, grüne Speditionen sowie Klimabeiträge. Am Ende kommt es daher, wie so oft, auf unser Verhalten als Kunde und Händler an.

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