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Scope 3 Emissionen im E-Commerce: The Struggle is real


Klimaneutralität könnte schon fast das Wort des Jahres werden: Kleine und große Unternehmen sowie ganze Länder kündigen Net-Zero-Klimaziele an, um ihrer Verantwortung gegenüber der Umwelt und zukünftigen Generationen gerecht zu werden. In diesem Artikel erfährst du:

  • Was genau Klimaneutralität ist und wie du den Schritt zu einem klimaneutralen Online-Shop richtig gestaltest

  • Was Scope 3 Emissionen sind und warum sie eine Schlüsselrolle auf dem Weg zur Klimaneutralität einnehmen

  • Was du für deinen Online-Shop tun kannst, um effektiven Umweltschutz zu betreiben und wie du dich vor Greenwashing-Vorwürfen schützt

Auf dem Weg zur Klimaneutralität...

Scope 3. Wow, noch ein Fremdwort, das du vielleicht auch schon einmal gehört hast. Doch was ist das genau? Netflix kündigte vor kurzem an, schon bis Ende 2022 klimaneutral zu werden. Klingt toll. Doch gewissenhafte Journalist*innen kritisieren: Die Emissionen, die auf Nutzerseite verursacht werden, sind bei dieser Berechnung nicht enthalten. Schnell fällt dann auch das Wort “Greenwashing”. Und schon sind wir angekommen, mitten in der Scope 3 Thematik.

Back to the Scopes

Fangen wir von vorne an: Unternehmen, die klimaneutral werden wollen, müssen ihre CO2-Emissionen tracken. Angefangen bei den eigens verursachten Emissionen, weiter zu den Produktionsstätten, und nicht zu vergessen: die Lieferketten. Um einen besseren Überblick zu haben, unterteilt man die Emissionen nach ihrem Ursprung in drei verschiedene Scopes.

Scope 1 bezieht sich auf direkte CO2-Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen, beispielsweise solche, die in Büros oder eigenen Produktionsstätten anfallen.

Scope 2 Emissionen sind indirekte Emissionen durch Elektrizität.


Scope 3 Emissionen stellen die komplexeste Kategorie dar. Sie schließen indirekte CO2-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein. Dazu zählen Emissionen aus Quellen, die nicht direkt von dem Unternehmen kontrolliert werden, wie beispielsweise Aktivitäten von (Sub)-Lieferant*innen oder Konsument*innen.


In den meisten Fällen haben Scope 3 Emissionen einen Anteil von über 90% an den Gesamtemissionen.

Somit sind sie besonders für Händler*innen interessant.


Man unterscheidet zwischen vorgelagerten und nachgelagerten Scope 3 Emissionen. Alle Aktivitäten entlang der Lieferkette, also eingekaufte Materialien und Rohstoffe und deren Transport in unternehmensfremden Transportmitteln fallen in die erste Unterkategorie. Nachgelagerte Emissionen sind dann solche, die im Anschluss an die Produktion auftreten. Darunter fallen die Distribution, Lagerung und Lieferung, aber auch die Nutzung und Entsorgung des Produkts.

Der Struggle mit Scope 3 - Part 1: Berechnung


Das zugrundeliegende Problem mit Scope 3 ist ziemlich einfach erklärt: Da es sich um indirekte Emissionen, außerhalb der Unternehmenskontrolle handelt, ist das Tracken dieser Emissionen häufig mit großem Aufwand und Unsicherheit verbunden, da Lieferketten genau zurückverfolgt werden müssen und Kund*innenverhalten antizipiert werden muss. Das macht die Berechnung häufig nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Da auch das GHG-Protokoll, eine gängige Richtlinie zur Quantifizierung des Unternehmens- Fußabdrucks, das Einschließen von Scope 3 Emissionen nicht verpflichtend macht, werden diese häufig ausgelassen. Dies ist allerdings problematisch, da Scope 3 Emissionen die größte Emissions-Kategorie darstellen. Bezieht man diese also nicht mit in die Kalkulationen ein, führt das zu einer bedeutend niedrigeren Klimaschutz-Leistung.

Der Struggle mit Scope 3 - Part 2: Greenwashing & Verantwortungsübernahme

Da Scope 3 Emissionen außerhalb der Unternehmenskontrolle liegen fühlen sich Unternehmen auch häufig nicht für diese Emissionen verantwortlich. Es ist auch tatsächlich unklar, wer für diese indirekten Emissionen verantwortlich ist: die Lieferant*innen, die Händler*innen, oder bei nachgelagerten Scope 3 Emissionen die Konsument*innen, die die Produkte nachfragen. Problematisch ist, wenn niemand die Verantwortung über Scope 3 Emissionen übernimmt, da somit für einen Großteil der Emissionen weder Reduktions- noch Kompensationsmaßnahmen ergriffen werden.

Damit kommen wir zurück zum Netflix Beispiel. Laut Netflix Berechnungen betrug der CO2-Fußabdruck für 2020 1,1 Millionen Tonnen CO2. Etwa die Hälfte davon wurde durch die Produktion von Netflix Filmen und Serien verursacht, die andere Hälfte durch Unternehmenstätigkeiten, wie Büros oder Marketing und die technische Infrastruktur. Was Netflix allerdings nicht berücksichtigt, sind die nachgelagerten Scope 3 Emissionen. Wie oben erklärt sind das die Emissionen, die auf der Nutzerseite anfallen, im Netflix Beispiel also beim Streamen. Netflix quantifiziert diese zwar, berücksichtigt sie aber nicht bei der Reduktion und Kompensation, da es die Nutzer*innen in der Verantwortung sieht.

Diese Streaming-Emissionen machen allerdings einen großen Anteil an den Gesamtemissionen aus. Daher ist der Begriff “Klimaneutralität” - mit dem Netflix wirbt- irreführend. Da die nachgelagerten Scope 3 Emissionen, die indirekt durch Netflix verursacht werden, nicht mit einbezogen sind, fällt in diesem Zusammenhang sogar der Begriff Greenwashing, obwohl Netflix ehrgeizige Maßnahmen in allen anderen Bereichen ergreift.


Unser Tipp: Werden nicht alle Emissionen berücksichtigt, sollte ein Unternehmen nicht mit Klimaneutralität werben. Optimal wäre es, alle direkten und indirekten Emissionen zu quantifizieren - aber das ist herausfordernd. Werden beispielsweise nachgelagerte Emissionen in der Nutzungsphase vernachlässigt, sollte dies transparent kommuniziert werden.


Der Struggle mit Scope 3 - Part 3: E-Commerce


Im Handel machen die vorgelagerten Scope 3 Emissionen den größten Anteil an den Gesamtemissionen aus. Aus diesem Grund sollten diese Emissionen nicht ignoriert werden.

Schauen wir uns einmal Zalando an: Um die Scope 3 Emissionen zu reduzieren verpflichtet Zalando die Marken, Verpackungsproduzent*innen und Lieferpartner*innen dazu, wissenschaftsbasierte Klimaziele (science-based targets) festzulegen.


So sollen vorgelagerte Scope 3 Emissionen in der Wertschöpfungskette, Herstellung und Logistik erfasst und reduziert werden. Zusätzlich stellen sie den Kund*innen Informationen über die Nachhaltigkeit einzelner Produkte bereit.


Zudem kommuniziert Zalando transparent, welche Bereiche und Scopes in die Berechnungen miteinbezogen werden. Auf diese Weise schützt sich Zalando vor Greenwashing-Vorwürfen und leistet zusätzlich einen effektiven Beitrag zum Umweltschutz:

  • Durch eigene Anstrengungen zur Emissionsreduktion in allen Scopes.

  • Durch das Verpflichten der Partner*innen zum Nachhaltigkeits-Engagement und

  • durch die Bewerbung sowie prominente Platzierung von nachhaltigeren Artikeln im Onlineshop, sodass diese von Kund*innen eher gesehen und gekauft werden.

  • Durch einen Klimabeitrag im Warenkorb, mit dem Kund*innen freiwillig einen Teil der Emissionen kompensieren können.


3 Gründe dafür, deine Scope 3 Emissionen zu tracken:


Idealerweise schließt du also auch Scope 3 Emissionen in deine Berechnungen ein. So leistest du effektiven Klimaschutz und schützt dich vor Greenwashing-Vorwürfen.

Scope 3 Emissionen sind besonders im Handel eine komplizierte Angelegenheit, die schnell abschrecken können. Hier kommen 3 Gründe, wieso es für dich vorteilhaft ist, dich um die Scope 3 Emissionen deines Online-Handels zu kümmern:

1. Umweltschutz

Dies ist der eindeutigste Vorteil. Da Scope 3 Emission den Löwenanteil an den Gesamtemissionen ausmachen, haben Identifizierungs-, Reduktions- und Kompensationsmaßnahmen von Scope 3 den größten Klima-Impact.

2. Marktvorteil

Da der Anteil an umweltbewussten Online-Käufer*innen immer weiter steigt, kannst du mit ehrgeizigen Nachhaltigkeitszielen und Umwelt-Engagement mehr Konsument*innen dazu bewegen, bei dir Produkte zu kaufen.

3. Finanzielle Vorteile

Nachhaltigkeits-Engagement macht sich auch finanziell vorteilhaft bemerkbar. Unilever beispielsweise berichtete 2019, dass nachhaltigere Marken im Vergleich zu weniger nachhaltigen 69% schneller wachsen und für drei Viertel des Unternehmenswachstums verantwortlich sind.


Unsere Tipps für Online-Händler*innen:


Nun weißt du Bescheid über die Scope 3 Thematik. Wir zeigen dir, was du tun kannst, um deine eigenen Scope 3 Emissionen anzugehen:

  1. Auch wenn du nicht so groß wie Zalando bist, kannst du deine Lieferant*innen dazu pushen nachhaltiger zu produzieren - zum Beispiel indem du nachhaltigere Artikel auf deiner Website in den Fokus rückst oder CO2-Informationen transparent kommunizierst.

  2. Biete wie Zalando einen Klimabeitrag im Warenkorb an, mit dem du oder deine Kund*innen freiwillig einen Teil der entstandenen CO2-Emissionen kompensieren können. Wir machen es dir einfach: schau einfach hier.

  3. Lade dir hier unsere umfangreiche Nachhaltigkeits-Checkliste für Onlineshops herunter, inklusive Links zu Anbietern, Partnern und weiteren Informationen.

Wir hoffen, damit bist du bestens gerüstet für die nächsten Schritte - wenn du weitere Fragen hast stehen wir dir gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Quellen:


La loi Climat va-t-elle permettre de freiner le greenwashing ? (theconversation.com)

About Netflix - Netto-Null-Emissionen + Natur: Unser Engagement für das Klima

Corporate Value Chain (Scope 3) Standard | Greenhouse Gas Protocol (ghgprotocol.org)

Zalando_SE_Fortschrittsbericht_zu_Nachhaltigkeit_2020.pdf

Scope 3 and the supply chain: How businesses are taking sustainability leadership to a new frontier (edie.net)

*WWF-Overcoming-barriers-for-corporate-scope-3.pdf



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