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Warum Bäume wahre Klimahelden sind?

Gefühlt ist das unser Lieblingsspruch: “Bäume sind echte Klimahelden”. Aber wieso eigentlich? Dieser Artikel hilft euch zu verstehen:

  • Wie und wie viel CO2 durch den Wald aus der Atmosphäre gezogen wird

  • Wieso Waldschutz und Aufforstung eine essenzielle Strategie im Kampf gegen den Klimawandel sind

  • Warum wir uns entschieden haben, Aufforstungs- und Waldschutz-Projekte zu unterstützen

Wie der Wald das Klima schützt

Pflanzen und Bäume betreiben Photosynthese. Im Laufe dieses Prozesses “atmen” Bäume CO2 ein und Sauerstoff aus. Sie ziehen also das klimaschädliche Gas aus der Luft und speichern es in Form von Kohlenstoff in ihren Ästen, Wurzeln und im Waldboden. Wälder werden daher auch als Kohlenstoffsenken bezeichnet. Wenn Bäume wachsen oder Wälder aufgeforstet werden, wird diese Senkenleistung durch die zusätzliche Einbindung von Kohlenstoff vergrößert. Aufforstung leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels, da wachsende Bäume die Menge an Treibhausgasen in der Atmosphäre verringern und dadurch die globale Erwärmung verlangsamen.

Aber auch der Schutz von Waldfläche ist wichtig. Werden bestehende Wälder gerodet, wird der gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt und entweicht in Form von CO2 wieder in die Atmosphäre. Der Amazonas Regenwald wird daher auch als “grüne Lunge der Erde” bezeichnet - seine Zerstörung hat verheerende Folgen.

Wie stark ist die Klimaschutzwirkung von Wäldern?

Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, die CO2-Bindung von Bäumen zu berechnen, unterscheiden sich die Schätzungen zur Klimaschutzwirkung von Wäldern. Laut der letzten Kohlenstoff-Inventur aus dem Jahr 2017 sind in deutschen Wäldern etwa 114 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar in der Biomasse gespeichert. Mithilfe der 44/12 Formel umgerechnet entspricht dies 418 Tonnen CO2-Äquivalenten. In Deutschland ist etwa ⅓ der Waldfläche bewaldet, das entspricht 11,4 Mio. Hektar Wald. Das bedeutet, hierzulande sind etwa 1,23 Mrd. Tonnen Kohlenstoff in der lebenden Biomasse gespeichert. Jährlich entlastet der Wald die Atmosphäre um 62 Mio. Tonnen CO2 - etwa 7% der deutschen Emissionen.

Auch die Holznutzung wird in manchen Berechnungen der Klimaschutzwirkung von Wäldern herangezogen: Werden bei nachhaltiger Waldwirtschaft Bäume gefällt, können durch die Nutzung dieses Holzes CO2 Emissionen eingespart werden, da so der Einsatz von emissions-intensiven Materialien wie Beton oder Metall vermieden wird. Diese Einsparung nennt man Substitutionseffekt. Der Substitutionseffekt hat in Deutschland eine ähnliche Größenordnung wie die Senkenleistung des deutschen Waldes, weshalb sich je nachdem ob er mit eingeschlossen wird oder nicht stark unterschiedliche Schätzungen zur Klimaschutz-Leistung von Wäldern ergeben.

Eine von der ETH Zürich durchgeführte Studie macht deutlich, dass durch weltweite Aufforstung von Wäldern theoretisch zwei Drittel der von Menschen verursachten CO2-Emissionen gebunden werden könnten. Somit ist eine massive Aufforstung eine der wirksamsten Methoden im Kampf gegen den Klimawandel.

Welche Bäume speichern am meisten CO2?

Die Klimaschutzwirkung von Bäumen und Wäldern variiert mit unterschiedlichen Faktoren; beispielsweise dem Standort, der Baumart, dem Alter der Bäume und der Bewirtschaftung.

1. Die Standortwahl

Keine Frage - Wälder sind überall auf der Welt wichtig. Dennoch tragen verschiedene Wälder unterschiedlich stark zum Klimaschutz bei. Tropische Torfsumpfwälder speichern 3.000-6.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar, während Regenwälder weniger als ein Zehntel davon, zwischen 120-400 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern (WWF 2009). Durchschnittlich ziehen tropische Wälder 3x mehr CO2 aus der Atmosphäre als deutsche Wälder. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass Aufforstung in Deutschland sinnlos ist, denn auch deutscher Wald leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und für viele andere Bereiche, wie den Erhalt der Biodiversität und den Schutz von Böden.

2. Die Baumart

Verschiedene Baumarten entziehen der Atmosphäre unterschiedlich viel CO2. Das absolute Highlight ist der Moringa-Baum: Dieser bindet etwa 20x so viel CO2 wie die durchschnittliche Vegetation. Aber auch abgesehen von solchen Superhelden gibt es Unterschiede. Generell speichern Mischwälder mehr Kohlenstoff als Monokulturen, laut einer chinesisch-deutsch-schweizerischen Studie etwa 3x mehr.

3. Das Alter

Auch das Alter der Bäume spielt eine Rolle. Junge Bäume wachsen schneller und ziehen dadurch mehr CO2 aus der Atmosphäre als alte Bäume. Ein erwachsener Wald nimmt zwar weniger neues CO2 auf, hat aber schon viel Kohlenstoff gebunden. Daher sind Waldschutz-Projekte ebenso wichtig wie Aufforstungsprojekte, da Abholzung - und damit das Entweichen vieler Tonnen CO2 in die Atmosphäre - vermieden wird.

4. Nachhaltige Forstwirtschaft

Mit dem Pflanzen von Setzlingen ist es nicht getan - der effektivste Klimaschutzbeitrag wird mit nachhaltiger Forstwirtschaft erzielt. Durch nachhaltige Forstwirtschaft wird geprüft, an welchem Standort am besten aufgeforstet wird und welche Baumarten gepflanzt werden sollten. Angepasst an regionale Bedingungen kann die Senkenleistung maximiert werden, wenn Mischwälder aus jungen und alten Bäumen bestehen. Auch der Substitutionseffekt kann ausgereizt werden: Durch den Holzschlag zum optimalen Zeitpunkt und eine effiziente Holznutzung kann der Klimaschutzbeitrag maximiert werden.

Projekte im deutschen Wald vs. Regenwaldprojekte

Wenn du dich nun fragst, ob du eher Aufforstungsprojekte im deutschen oder im tropischen Wald unterstützen solltest: Beides hat seine Vorteile und letztendlich kommt es auf deine persönlichen Präferenzen an.

Pro deutscher Wald:

Für Waldprojekte im heimischen Wald spricht, dass unsere Wälder durch Sturm, Dürren und Borkenkäfer in Gefahr sind. Sie zu erhalten ist nicht nur für das Klima wichtig - und für die Erreichung unserer Klimaziele notwendig - sondern hat eine ganze Reihe an positiven Nebeneffekten. Die Erhaltung von Wäldern ist beispielsweise essentiell für die Erhaltung der Artenvielfalt.

Pro Tropenwald:

In den Tropen ist es wärmer und feuchter als in hiesigen Wäldern, wodurch die Bäume schneller wachsen und mehr CO2 binden. Außerdem haben viele Länder in tropischen Regionen einen niedrigeren Preisindex als Deutschland. Das bedeutet, dass es in diesen Ländern preisgünstiger ist aufzuforsten und so pro investiertem Euro, mehr CO2 gebunden und Kohlenstoff gespeichert wird. So lässt sich in den Tropen bei gleichen Kosten ein größerer Klimaschutz-Effekt erzielen.

Worauf es letztendlich ankommt: Waldschutz vs. Aufforstung

Entscheide dich, ob du ein aktives Aufforstungsprojekt unterstützen möchtest, oder bestehenden Wald schützen willst. Bei einem Aufforstungsprojekt wird der Atmosphäre pro-aktiv CO2 entzogen und die globale Erwärmung verlangsamt. Bei einem Waldschutz-Projekt wird vermieden, dass bereits gespeicherter Kohlenstoff wieder in die Atmosphäre entweicht und für mehr Erwärmung sorgt.

Welches Projekt besser ist, kommt vor allem auf lokale Charakteristika an: In Gegenden, in denen die Entwaldungsrate hoch ist, ist ein Avoidance Projekt vorteilhafter - in Gegenden, in denen bisher wenig Kohlenstoff gebunden ist, bietet sich ein Aufforstungsprojekt an.

Daher ist es essentiell, dass verantwortungsbewusste Aufforstung-Partner*innen lokal einschätzen, welche Strategie am besten ist und die lokale Bevölkerung in Projekte einbinden. Bei Aufforstungsprojekten muss im Anschluss auch Waldschutz geleistet werden oder eine nachhaltige Forstwirtschaft in Mischform mit Waldschutz gewährleistet werden, damit der Klimabeitrag durch Rodung nicht wieder zunichte gemacht wird.


In a nutshell: Warum wir Wald-Projekte unterstützen:

Waldprojekte sind eine effektive Brückenlösung im Kampf gegen den Klimawandel. Durch die Bindung von CO2 wird uns Zeit verschafft, innovations-technologische Lösungen zu entwickeln, bevor Tipping Points erreicht werden.
Aufforstungsprojekte helfen dabei, international bindende Klimaziele wie die des Kyoto-Protokolls und des Paris-Agreements zu erreichen, da die Netto-Emissionen reduziert werden. So kommen wir dem Ziel der Kohlenstoff-Neutralität bis 2050 näher.
Wälder haben zudem weitere Vorteile, beispielsweise in Bezug auf Biodiversität. Sie stellen an Land den größten Lebensraum für verschiedenste Arten von Lebewesen dar und fördern damit den Artenschutz. Weitere Pluspunkte sind der Schutz vor Bodenerosionen und die Verbesserung der Trinkwasserqualität. In ärmeren Regionen können durch Waldprojekte nachhaltige Perspektiven für von Armut betroffene Menschen darstellen.
Dabei achten wir bei Yook auf vertrauenswürdige Partner*innen, die die lokale Bevölkerung in ihre Projekte einbinden und damit Perspektiven schaffen und einen nachhaltigen Schutz der Projektflächen gewährleisten.

Wir hoffen, dieser Artikel hat auch dich davon überzeugt, dass Bäume wahre Klimahelden sind. Wenn du über weitere Nachhaltigkeitsthemen auf dem Laufenden bleiben möchtest, abonniere hier unseren Newsletter.

Quellen:

Bastin et al. (2019) Daba (2016)

Kohlenstoffinventur (2017)

Schulz & Weber-Blaschke (2021)

The BEF-China-Project (2008-2017)

WWF (2009)