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Was kostet dein Kaffee wirklich? Der Produkt-CO2-Fußabdruck einfach erklärt

Aktualisiert: Feb 19

In diesem Artikel erfährst du...

  • was ein Produkt-CO2-Fußabdruck ist

  • wie ein Produkt CO2-Fußabdruck berechnet wird

  • wie diese Informationen deinen Kunden helfen, über ihren Kaffeekonsum nachzudenken und nachhaltiger zu leben

Unser persönlicher Fußabdruck

Bei nahezu allem was wir Menschen tun produzieren wir Treibhausgasemissionen, die hauptverantwortlich für den Klimawandel sind. So auch deine Kunden. Um die Klimaauswirkungen zu reduzieren, müssen wir jedoch erst einmal wissen, wo sie genau herkommen. Welche Produkte verursachen also wie viele Emissionen? Wissen deine Kunden, wo die Klima-Hotspots ihres Konsums sind, können sie diese reduzieren – und nicht vermeidbare Emissionen kompensieren, um ihren persönlichen Fußabdruck zu verkleinern.

Was ist ein Produkt-CO2-Fußabdruck?

Der Produkt-CO2-Fußabdruck (englisch: Product Carbon Footprint, PCF) bildet alle Treibhausgasemissionen ab, die in Zusammenhang mit einem bestimmten Produkt stehen. PCFs werden in CO2e angegeben, das steht für CO2-Äquivalente. Dieses Maß stellt das globale Erwärmungspotential dar, denn neben CO2 tragen verschiedene weitere Treibhausgase unterschiedlich stark zur globalen Erwärmung bei. In einem Zeitraum von 100 Jahren ist der Effekt von Methan zum Beispiel 28x höher als der von CO2 (IPCC, 2007). Mit der Einheit CO2e werden die Treibhausgasemissionen vergleichbar und zusammenfassbar gemacht.

Durch die Quantifizierung aller produktbezogenen Treibhausgasemissionen kann man direkt erkennen, wie klimafreundlich ein Produkt ist. Außerdem ist es möglich, Hotspots zu identifizieren und so Emissionen zu reduzieren. Zusätzlich können Produkte verglichen werden – eine enorme Hilfe für umweltbewusste Einkäufer*innen.


Spannend. Erstmal einen Kaffee?

„Eine Tasse schwarzen Kaffee bitte.“ „Alles klar – das macht dann 49 Gramm CO2e.“

Schwarzer Kaffee schlägt sich damit ganz gut. Wenn man ein auf globaler Skala gemessen klimafreundliches Leben führen möchte - also unter 1,5 Tonnen CO2e im Jahr verursacht und sich nur von Luft & Kaffee ernährt - kann man immerhin 30.000 davon im Jahr trinken.


Ein großer Milchkaffee dagegen verursacht mit 552 g CO2e mehr als das 10-fache an Emissionen. Grund hierfür ist die Milch, die für etwa 90 % des Milchkaffee-Fußabdrucks verantwortlich ist. Diese Werte variieren jedoch, je nach Zubereitungsart und verwendetem Kaffee. Übrigens, ein Coffee-2-go im Einwegbecher verursacht nochmal 110 g CO2e zusätzlich (Berners-Lee, 2020).


Wie berechnet man den Fußabdruck?

Zur einheitlichen und korrekten Berechnung eines Produkt-CO2-Fußabdruck gibt es Regelwerke wie das Greenhouse gas (GHG) protocol und die darauf aufbauende ISO 14067 Norm. Diese sind internationale und viel genutzte Standards deren Ziel es ist, durch einheitliche Berechnungsgrundlagen die Vergleichbarkeit verschiedener Produkte - und Fußabdrücke zu gewährleisten. An der Entwicklung des GHG protocols sind das World Resources Institute und verschiedene NGOs und Unternehmen beteiligt. Damit sind nun die zugrundeliegenden Regeln geklärt, aber welche Emissionen fließen in den Fußabdruck mit ein?


Cradle-to-what? Wo CO2-Emissionen entstehen Um den Fußabdruck eines Produkts zu bestimmen addiert man alle Emissionen, die im Laufe des Produktlebenszyklus verursacht werden. Je nach Umfang der Analyse umfasst dies Emissionen durch die Beschaffung der Rohstoffe (also zum Beispiel auf den Kaffeeplantagen), die Produktion (Röstung des Kaffees) und den Transport.

Umfassendere Analysen quantifizieren zusätzlich Emissionen, die nach Verkauf des Produkts, also während der Nutzung und bei der Entsorgung entstehen. Zum Beispiel beim Waschen eines T-Shirts, beim Laden des mobilen Endgeräts oder den Stromverbrauch beim Kaffeekochen. Auch die Entsorgung geht in die erweiterte Analyse ein. Hierbei ist es von Bedeutung, ob das Produkt verbrannt wird oder recycelt und wiederverwendet werden kann.


Es wird also unterschieden zwischen einer sogenannten Cradle-to-Gate Analyse, welche nur Emissionen berücksichtigt, die bis zum Verlassen des Werktores verursacht werden, einer Cradle-to-Customer Analyse, die zusätzlich die Lieferung bis zum Endkunden einschließt und einer umfassenden Cradle-to-Cradle Analyse, welche auch Emissionen nach Verkauf des Produkts mit einbezieht.

In welcher Lebenszyklusphase die meisten Emissionen verursacht werden, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt. Lebensmittel sind häufig in der Produktionsphase am emissionsintensivsten, Autos dagegen in der Nutzungsphase. Kann ein Produkt ganz oder teilweise recycelt werden, verkleinert sich der Fußabdruck.


Was bringen meinen Kunden diese Informationen?

Wenn deine Kunden nun beispielsweise auf ihrem veganen Milchersatzprodukt lesen, dass der Fußabdruck 0,39 kg CO2e pro kg beträgt, wissen sie, dass dieser alle produktbezogenen und in CO2-Äquivalente umgerechneten Treibhausgasemissionen beinhaltet. Ersetzt man die Milch im Milchkaffee durch eine vegane Alternative, kann man so den Fußabdruck des Kaffees deutlich verringern. Somit können wir alle Maßnahmen ergreifen, den Klimawandel aufzuhalten. Durch das Tracken von Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, können Emissions-Hotspots erkannt und reduziert werden. Dies ist aber nicht der einzige Vorteil von PCFs: Studien belegen, dass immer mehr Menschen Wert auf nachhaltigen Konsum legen (Galaxus, 2020). Das Deklarieren des CO2-Fußabdrucks auf Produkten kann nachhaltigen Unternehmen helfen, auf klimafreundliche Produkte aufmerksam zu machen. E-Commerce Plattformen die PCFs deklarieren, werden attraktiver für Konsument*innen, da diese dort die Möglichkeit haben, Produkte zu vergleichen und sich für die umweltfreundlichere Alternative zu entscheiden.


Auch wenn bisher nur wenige Brands die CO2-Fußabdrücke ihrer Produkte deklarieren und veröffentlichen sind PCFs eine tolle Hilfe, nachhaltiger zu konsumieren.

Wenn du mehr zum Thema Nachhaltigkeit im E-Commerce erfahren möchtest, abonniere hier unseren Newsletter und freue dich darauf, mit einer Tasse schwarzem Kaffee unseren nächsten Blogartikel zu lesen.


Weiterführende Links, die wir zu diesem Thema empfehlen:

Berners-Lee, M. (2020). How bad are bananas?: the carbon footprint of everything. Profile Books.

GHG Protocol Product Standard (www.ghgprotocol.org/product-standard)

Galaxus (2020) Majority of people in Germany would compensate carbon footprint caused by online shopping - Galaxus


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