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Welchen Einfluss hat dein Onlineshop auf den Klimawandel?



In diesem Artikel erfährst du

  • Welche Relevanz der Konsum für den CO2-Fußabdruck hat

  • Warum immer mehr Kund*innen Nachhaltigkeits-Engagement von Onlinehändler*innen erwarten

  • An welcher Stelle die meisten Emissionen im Onlinehandel entstehen

Der unbeachtete Treiber des Klimawandels: Unser Konsum

Beim Klimawandel denken viele sofort an Mobilität & Energie. Fossile Brennstoffe und Abgase, die die Umwelt verpesten und zerstören. Stimmt auch. Ein wichtiger Bereich wird allerdings häufig vergessen: das Shopping-Verhalten, also der persönliche Konsum. Dieser trägt mit über einem Drittel substanziell zum Klimawandel bei und stellt somit die größte Einzelkategorie dar.


Der durchschnittsdeutsche ökologische Fußabdruck beträgt 11,17 Tonnen CO2e pro Jahr. Umgerechnet sind das 30 kg Emissionen pro Tag pro Person - mehr als das 5-fache von dem, was mit den Pariser Klimazielen vereinbar ist. Und noch eine deutsche Besonderheit: Der Anteil unseres privaten Konsums ist doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt.

In dieser Berechnung umfasst der Konsum im Prinzip alle privaten Einkäufe, von Bekleidung, technischer Ausstattung, Büchern bis zur Inneneinrichtung. Durch klimabewussten Konsum ist es also möglich, den persönlichen Fußabdruck deutlich zu verkleinern.


Nachhaltigkeit im E-Commerce

Dessen sind sich auch immer mehr Konsument*innen bewusst: In Studien erwarten mehr als zwei Drittel der Befragten, dass Unternehmen Umweltbewusstsein zeigen und sind bereit, für umweltfreundliche Produkte mehr zu zahlen. Ein generell zu beobachtender Konsumtrend, der besonders durch die Corona Pandemie deutlich zugelegt hat: immer mehr Menschen bestellen online. Aus diesem Grund schauen wir uns nun die Umweltauswirkungen des E-Commerce genauer an. In welcher Phase werden die meisten Emissionen verursacht?


CO2-Verursacher: Der Versand zu den Endkund*innen

Der Transport auf der “letzten Meile”, also vom Ziel-Paketzentrum bis zu den Endkund*innen ist in den meisten Studien der Hauptverursacher von Emissionen einer Online-Bestellung. Wie viel Prozent des gesamten Fußabdrucks die letzte Meile ausmacht variiert aber stark, vor allem je nach Transportmittel und Distanz. Wohnen die Endkund*innen außerhalb auf dem Land und das Paket wird mit einem halb-beladenen Dieselfahrzeug ausgeliefert, sind die Emissionen deutlich höher als wenn das Paket mit einem E-Fahrzeug zur nahegelegenen Packstation geliefert wird. Im Durchschnitt macht die letzte Meile bis zu 40 % aus. Im Zuge der Pläne zu einer CO2-freien Stadtlogistik bis 2030 (Europäische Kommission, 2011) wird erwartet, dass die Bedeutung der letzten Meile in Zukunft abnimmt.


CO2-Verursacher: Die Transportverpackung

Die zweitmeisten Emissionen der Onlinebestellung werden im Durchschnitt durch die Transportverpackung verursacht. Du ahnst es vermutlich bereits - wieder unterliegt dies großen Schwankungen. Je nachdem welches Material und welche Größe die Verpackung hat, variiert der Anteil der Verpackungs-Emissionen zwischen 4 % und 26 %. Ist der Artikel klein und zerbrechlich und wird mit viel Füllmaterial in einem großen Karton geliefert? Oder wird die Produktverpackung gleichzeitig als Transportverpackung genutzt und somit eine Verpackungslage gespart? Eine kleine Faltschachtel verursacht ca. 20 Gramm CO2 während ein großer Karton mit 128 l Füllvolumen 900 Gramm CO2 verursacht, also 45x so viel.


Retouren = Klimakiller?

In der öffentlichen Wahrnehmung sind vor allem Retouren die Bösewichte. Schlagzeilen, dass massenhaft Retouren einfach vernichtet werden und vor allem das erhöhte Verkehrsaufkommen suggerieren, dass Retouren der wahre Klimakiller des E-Commerce seien. Tatsächlich schätzt eine Studie der Universität Bamberg aus dem Jahr 2018, dass sich die Umweltwirkung der Retouren auf 238.000 Tonnen CO2e jährlich beläuft. Das entspricht 2.200 täglichen Autofahrten von Hamburg nach Moskau. Klingt viel - aber am Gesamt-CO2-Ausstoß in Deutschland macht dies nur 0,026 % aus.


Onlinehandel besser als sein Ruf

Generell ist der Onlinehandel besser als sein Ruf. In 75 % der Fälle ist es nämlich klimafreundlicher online zu bestellen als im stationären Handel zu kaufen. Hier ist allerdings Vorsicht vor unbeabsichtigten Nebeneffekten geboten, denn die bessere Klimabilanz des Onlinehandels kann auch schnell zunichte gemacht werden. Spart man durch die Onlinebestellung zwar die Fahrt mit dem eigenen Auto in das Geschäft, aber fährt in der Zeit, in der man sonst shoppen wäre, mit dem Auto zu Freund*innen um Kaffee zu trinken, wird der Vorteil der Online-Bestellung gleich reduziert. Außerdem wird durch Online-Shopping häufig mehr gekauft, denn online besteht ein deutlich breiteres Angebot. Es sind Marken und Produkte verfügbar, die es in der eigenen Stadt nicht zu kaufen gibt. Dadurch gibt es deutlich mehr Inspiration die zum Kauf anregt.


Last but not least: Die wahre Nummer 1 der Konsum-Klimabilanz:

Bisher haben wir uns lediglich die Emissionen angeschaut, die allein durch die Online-Bestellung verursacht werden. Den größten Einfluss auf die Klimabilanz des Konsums hat allerdings das Produkt an sich. Das heißt, sowohl beim E-Commerce als auch beim stationären Handel liegt der größte Anteil der Gesamtemissionen nicht im Transport, sondern zumeist in der Produktion des Produkts. Bei elektronischen Produkten, die im Gebrauch Energie benötigen ist es manchmal auch die Nutzungsphase. Natürlich kommt es hier wieder ganz auf die bestellten Produkte an, aber im Durchschnitt zeigen Studien, dass die Distribution von Konsumgütern weniger als 5 % des gesamten Produkt-CO2-Fußabdrucks ausmachen.

Warum Onlinehändler*innen sich jetzt positionieren sollten

Der Klimawandel ist allgegenwärtig und die Konsequenzen werden immer deutlicher spürbar. Der durchschnittsdeutsche Fußabdruck ist 5x höher als mit den Klimazielen vereinbar und der private Konsum macht einen großen Anteil aus. Genau hier wollen viele Kund*innen ansetzen und erwarten Unterstützung durch die von ihnen genutzten Onlineshops. Galaxus und eBay machen es bereits vor und ermöglichen einen CO2-Ausgleich direkt im Warenkorb. Auch Zalando bietet den Kund*innen einen Klimabeitrag direkt im Warenkorb an.


Auch du kannst heute starten mit deinem Onlineshop einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und dazu beitragen, den Konsum-Fußabdruck zu verkleinern. Um genau zu wissen, wo und wie du anfangen kannst, lade dir hier unsere Checkliste herunter und bleibe mit unserem Newsletter über Nachhaltigkeitstrends im E-Commerce auf dem Laufenden.




Quellen:


CO2-Rechner des Umweltbundesamtes (co2-rechner.de)

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2020_12_03_texte_227-2020_online-handel.pdf

https://realestateinnovationlab.mit.edu/wp-content/uploads/2021/01/FINAL_Retail-carbon-footprints-report_011221.pdf

http://www.retourenforschung.de/info-retourentacho2019-ausgewertet.html

https://www.dpd.com/de/de/2020/02/10/der-greta-effekt-im-online-handel-deutsche-e-shopper-legen-zunehmend-wert-auf-einen-klimafreundlichen-einkauf/

Consumer Barometer 01/20 – Fokusthema: Nachhaltigkeit - KPMG Deutschland (home.kpmg)




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